Wenn Gewalt zum Spiel wird – was macht das mit unserem Bewusstsein? „Warum berührt uns Gewalt immer weniger? - emotionale Abstumpfung“
Virtuelle Gewalt in Videospielen / Desensibilisierung gegenüber Gewalt / Ein persönlicher Blick auf Mitgefühl, Bewusstsein und innere Stärke.
Eva Böning
10/3/20262 min read
Was passiert mit unserem Empfinden, wenn virtuelle Gewalt einen immer größeren Teil unserer Freizeit füllt?
In manchen Videospielen wird geschossen, getötet und zerstört, und das nicht nur gelegentlich, sondern über Stunden. Der Spieler erlebt Gewalt aus der Ich-Perspektive, drückt einen Knopf und ein Mensch auf dem Bildschirm fällt zu Boden,
Natürlich wissen wir: Das ist nicht real.
Und natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass jemand der solche Spiele spielt, im wirklichen Leben gewalttätig wird.
Aber könnte die wiederholte virtuelle Darstellung von Gewalt trotzdem etwas mit unserer Wahrnehmung machen?
Genau diese Frage beschäftigt auch die Wissenschaft. Die Forschung untersucht unter anderem, ob regelmäßiger Kontakt mit gewalttätigen Spielen zu einer gewissen Desensibilisierung gegen Gewalt beitragen kann - also dazu, dass Gewalt uns abstumpft und weniger emotional berührt.
Und genau hier berührt das Thema mein eigentliches Anliegen:
Was geschieht mit unserem Mitgefühl, wenn Gewalt immer wieder sichtbar ist, aber keine Konsequenzen für uns hat?
Vielleich ist die entscheidende Frage deshalb nicht, ob ein einzelnes Videospiel einen Menschen verändert, sondern:
Welche Bilder, Gedanken und Gefühle lassen wir regelmäßig in unser Bewusstsein?
Warum fasziniert uns Gewalt überhaupt?
Ein Teil der Antwort liegt vermutlich darin, dass Gewalt etwas sehr Ursprüngliches in uns anspricht. Gefahr aktiviert Aufmerksamkeit und körperliche Erregung. Angst, Spannung, Kampf, Sieg und Überleben sind starke menschliche Themen.
Auch eine sogenannte - morbide Neugier (morbid curiosity)– kann eine Rolle spielen. Menschen können sich gleichzeitig von Dingen angezogen fühlen, die sie gleichzeitig abstoßend oder beängstigend finden. Das ist nicht automatisch krank oder pervers.
Bei Spielen oder Filmen kommt noch etwas hinzu: Wir erleben die Gefahr, ohne selbst wirklich in Gefahr zu sein. Das kann einen starken Reiz erzeugen – Spannung, Adrenalin, Kontrolle und anschließend die Erleichterung: „Es ist ja nur ein Film….. ich bin sicher.
Wenn im echten Leben die eigene Kraft und Stärke fehlt - wird sie dann manchmal im Virtuellen als Ersatz gesucht?
Vielleicht steckt hinter der Faszination für Gewalt ja manchmal auch noch etwas anderes.
Vielleicht geht es gar nicht immer nur um den Nervenkitzel.
Vielleicht ist es ja manchmal einfach eine Flucht aus der Realität - und es geht um Macht und Kontrolle um sich dann stark fühlen zu können
Ein Mensch, der sich im wirklichen Leben häufig machtlos, überfordert, frustriert oder nicht gesehen fühlt, kann in einer virtuellen Welt etwas erleben, das ihm im Alltag fehlt. Kontrolle,
· Plötzlich entscheidet er.
· Plötzlich ist er der Stärkere.
· Plötzlich kann er gewinnen.
· Plötzlich hat er Macht.
Könnte die virtuelle Welt damit für manche Menschen zu einem Ort werden, an dem sie Gefühle kompensieren, die ihnen im echten Leben fehlen?
· Frust
· Ohnmacht
· Unsicherheit
· Mangelndes Selbstwertgefühl
· Das Bedürfnis nach Anerkennung
Ich will damit nicht sagen, dass jeder Spieler solche Gefühle in sich trägt. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Insbesondere Eltern mit einem („spielsüchtigem“) Kind sollten nicht wegsehen, sondern ganz bewusst auf ihr Kind schauen.
Was suchen wir eigentlich in dem, was uns fasziniert?
Suchen wir nur Unterhaltung oder Ablenkung?
Oder suchen wir manchmal unbewusst ein Gefühl, das uns im wirklichen Leben fehlt?
Vielleicht beginnt Bewusstsein genau dort, wo wir uns diese Frage ehrlich stellen:
Was fehlt mir gerade wirklich?
· Brauche ich Anerkennung?
· Sicherheit?
· Stärke?
· Zugehörigkeit?
· Selbstvertrauen?
Und wenn wir beginnen, diese Bedürfnisse nicht mehr ausschließlich im Außen oder in virtuellen Welten zu befriedigen, sondern uns ihnen in unserem eigenen Leben zuwenden, kann etwas ganz Neues entstehen:
· echte innere Stärke statt geliehener Macht..
· echtes Selbstwertgefühl statt virtueller Überlegenheit.
· echte Verbundenheit statt Ersatzbefriedigung,
Die Welt muss endlich aufwachen und viel bewusster werden.
Von Herzen
Deine Eva
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