Wenn das Leid anderer nur noch zur Nachricht wird - haben wir unser Mitgefühl verloren? „Warum berühren uns Krieg, Katastrophen und menschliches Leid immer weniger? Ein persönlicher Blick auf emotionale Abstumpfung, Mitgefühl und unser Bewusstsein.“
emotionale Abstumpfung und fehlendes Mitgefühl durch Medienüberflutung / Haben wir unser Mitgefühl verloren? / Warum uns das Leid anderer immer weniger berührt
Eva Böning
9/26/20263 min read
Sind wir durch die tägliche Flut von Nachrichten über Krieg, Katastrophen und Gewalt bereits übersättigt und abgestumpft?
Ich komme gerade von einer Geburtstagsfeier.
Es war eigentlich ein schöner Abend. Menschen saßen zusammen, lachten, erzählten und genossen ihre Zeit miteinander.
Und dann fielen plötzlich Sätze über aktuelle und auch über noch drohende Umweltkatastrophen, dass dadurch sehr viele Menschen ihr Leben verloren haben und künftig noch tausende ihr Leben verlieren werden.
Und ich saß dazwischen und dachte „Wie kann uns das so wenig berühren?“
Wie kann es sein, dass wir hören, dass irgendwo Menschen alles verloren haben – ihre Angehörigen, ihr komplettes Hab und Gut - und unsere erste Reaktion manchmal nur ein Schulterzucken ist?
„Ist ja zum Glück weit genug weg von uns.“
„Dumm gelaufen….. Gibt es dort keine Warnsysteme?“
„Es passiert doch ständig sowas irgendwo auf der Welt.“
„Sieht man doch immer in den Nachrichten.“
Und genau diese Sätze lassen mich nicht los
Sind wir wirklich so gleichgültig geworden?
Oder sind wir einfach nur müde? Müde von einer Welt, die uns jeden Tag neue Schreckensmeldungen präsentiert:
· Wir öffnen morgens unser Handy und sehen Krieg
· Wir lesen von Überschwemmungen, Bränden und anderen Katastrophen.
· Wir sehen Menschen auf der Flucht.
· Kinder, die leiden.
· Menschen, die alles verloren haben.
Und nur wenige Sekunden oder Minuten später scrollen wir weiter:
· Ein lustiges Video
· Eine Werbung
· Ein Urlaubsfoto
· Der nächste Termin
Unser Alltag geht direkt weiter. - Und vielleicht ist genau das das Unheimliche daran.
Wenn das Leid anderer für uns nur noch ein Bild auf einem Bildschirm ist.
Früher war eine Katastrophe vermutlich etwas, das die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung erlebt haben.
Heute wird über alles direkt berichtet und wir können innerhalb weniger Sekunden Bilder vom anderen Ende der Welt sehen.
Das hat eine unglaubliche Seite:
Wir können Anteil nehmen, wir sind informiert und können Hilfe organisieren.
Aber es hat auch eine Schattenseite.
Das menschliche Gehirn kann nicht jeden Schicksalsschlag dieser Welt emotional verarbeiten.
Wenn wir ständig mit Leid konfrontiert werden, kann irgendwann eine innere Distanz entstehen.
Nicht unbedingt, weil uns andere Menschen egal sind.
Vielleicht sogar, weil wir uns selbst schützen müssen.
Doch irgendwann besteht die Gefahr, dass aus unserem Selbstschutz Gleichgültigkeit wird.
Das wir nicht mehr fragen: „Wie muss sich dieser Mensch gerade fühlen?“
Sondern nur noch: „Was ist heute passiert?“
….und dann scrollen wir weiter.
„Solange es ,mich nicht betrifft…..“
Vielleicht ist einer der gefährlichsten Gedanken unserer Zeit:
„Solange es mich nicht betrifft, ist es nicht mein Problem.“
· Solange die Überschwemmung nicht mein Haus erreicht.
· Solange der Krieg nicht vor meiner Haustür stattfindet.
· Solange mein Kind nicht betroffen ist.
· Solange ich meinen Alltag weiterleben kann.
Was wäre, wenn wir uns daran erinnern würden, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht?
Nicht „100 Tote“,
sondern 100 Menschen
100 Leben
100 Familien
100 Geschichten
Menschen mit Träumen, Hoffnungen, Ängsten und Menschen, die sie lieben.
Jeder einzelne war einmal jemandem die ganze Welt.
„Dieser Satz berührt mich sehr. - Ich glaube, er könnte der emotionale Mittelpunkt dieses Artikels sein.
Bewusstsein bedeutet auch, berührbar zu bleiben
Für mich bedeutet Bewusstsein nicht, dass wir jeden Tag das gesamte Leid der Welt auf unseren Schultern tragen müssen.
Das wäre weder möglich noch gesund.
Bewusstsein bedeutet vielmehr, unsere Menschlichkeit nicht zu verlieren.
Zu erkennen: Das Leid eines anderen Menschen ist nicht weniger real, nur weil ich weit entfernt bin.
Eine zerstörte Familie bleibt eine zerstörte Familie - egal ob sie drei Straßen weiter oder 3.000 Kilometer entfernt lebt.
Und vielleicht beginnt Mitgefühl genau dort: Wenn wir aufhören, Menschen nur als Nachrichten zu betrachten
Aber was können wir überhaupt tun?
Vielleicht mehr als wir denken.
· Wir können helfen.
· Spenden
· Uns informieren.
· Bewusster konsumieren
· Unsere Stimme nutzen.
· Menschen zuhören.
· Unseren Kindern Mitgefühl vorleben
Und vor allem: Wir können bei uns selbst anfangen.
Denn eine bewusstere Welt entsteht nicht dadurch, dass wir ständig mit dem Finger auf andere zeigen.
· Sie entsteht, wenn wir selbst bewusster werden.
· Bewusster in unseren Worten
· Bewusster in unseren Entscheidungen
· Bewusster im Umgang miteinander
· Und bewusster im Umgang mit der Erde
Vielleicht ist nicht die Welt abgestumpft - sondern wir müssen wieder lernen hinzusehen.
Nicht jedes Leid müssen wir selbst tragen. Aber wir sollten es auch nicht „als normal“ finden.
Wir dürfen weiterhin lachen. Feiern. Unser Leben genießen. Dankbar sein.
Und gleichzeitig mitfühlend bleiben.
Denn das eine schließt das andere nicht aus.
Vielleicht ist genau das Bewusstsein: Das eigene Glück genießen zu können, ohne das Leid anderer Menschen zu vergessen.
„Denn am Ende sind wir nicht nur einzelne Menschen, die zufällig auf dem selben Planeten leben, Wir sind alle miteinander verbunden.“
Mit jedem weiteren bewussteren Menschen, wird unsere Welt heller und nach und nach auch immer gesünder werden, denn
„Bewusstsein verändert unseren Blick auf die Welt – und irgendwann auch die Welt selbst.“
Genau dabei möchte ich Menschen mit meinem Coaching begleiten: Wieder mehr Verbindung zu sich selbst finden. Die eigene innere Stimme wieder wahrzunehmen und bewusste Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen.
Von Herzen
Deine Eva
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